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WLAN-Abdeckung: Ursachen und Loesungen

Warum das WLAN in manchen Raeumen abbricht: Daempfung durch Waende, Frequenzbaender, Router-Standort, Repeater und ein Messplan.

Von Torsten Halm · Sonntag, 25. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 16 Minuten
Router auf einer Kommode mit Wohnungsgrundriss daneben

Ein WLAN, das im Wohnzimmer schnell und im Schlafzimmer unbrauchbar ist, hat selten eine einzige Ursache. Meist wirken Daempfung, Frequenzband, Kanalbelegung und Geraeteposition zusammen. Dieser Text ordnet die Faktoren nach ihrer Wirkung und beschreibt, welche Massnahme wie viel bringt. Die Werte sind Erfahrungsbereiche aus Messungen in Wohnungen, keine Garantien fuer den Einzelfall.

Warum das WLAN im Schlafzimmer abbricht

Funkwellen verlieren Energie, wenn sie Material durchdringen. Eine Trockenbauwand kostet 2 bis 3 dB, eine Ziegelwand 6 bis 10 dB, eine Stahlbetondecke 20 bis 30 dB. Da 3 dB einer Halbierung der Leistung entsprechen, sind zwei Ziegelwaende bereits eine Daempfung um den Faktor vier. Das erklaert den Unterschied zwischen Flur und Schlafzimmer.

Hinzu kommt die Richtcharakteristik der Antennen. Ein Router im Flur strahlt selten gleichmaessig in alle Richtungen. Die Antennen sind meist horizontal ausgerichtet, sodass Raeume ueber und unter dem Geraet benachteiligt sind. Ein Standort in der Wohnungsmitte auf halber Hoehe ist deshalb fast immer besser als eine Nische neben der Kabeldose.

MaterialDaempfung (ca.)Wirkung
Trockenbauwand2 bis 3 dBkaum messbar
Ziegelwand, 24 cm6 bis 10 dBdeutlich, aber nutzbar
Kalksandstein, 17 cm8 bis 12 dBspuerbar bei zwei Waenden
Stahlbetonwand20 bis 30 dBein Raum dahinter wird schwach
Metallregal oder Schrank20 bis 40 dBblockiert fast vollstaendig
Isolierglas mit Metallbeschichtung15 bis 25 dBFenster wirken wie Waende
Wasser, Aquarium10 bis 20 dBhaeufig unterschaetzt
Die Werte gelten fuer 5 GHz. Bei 2,4 GHz ist die Daempfung etwas geringer, dafuer ist die Stoeranfaelligkeit hoeher. Wer eine Wand als Ursache vermutet, kann das pruefen, indem er den Router testweise an die andere Seite der Wand stellt - ohne neue Hardware zu kaufen.

2,4 GHz, 5 GHz, 6 GHz: die drei Baender

WLAN funktioniert in mehreren Frequenzbaendern, die sich unterschiedlich verhalten. 2,4 GHz reicht weit, ist aber langsam und stark belegt. 5 GHz ist schneller, kommt aber schlechter durch Waende. 6 GHz ist seit WLAN 6E verfuegbar, bietet viel freie Kapazitaet, hat aber die geringste Reichweite.

BandKanaeleReichweiteStoeranfaelligkeit
2,4 GHz13, davon 3 ueberlappungsfreihochsehr hoch
5 GHz19 bis 25 je Regionmittelmittel
6 GHzbis 59 (WLAN 6E/7)niedrigniedrig
Kanalbreite 2,4 GHz20 MHz-schmal, aber noetig
Kanalbreite 5 GHz80 bis 160 MHzsinkt mit Breitesteigt mit Breite

In der Praxis ist die Bandwahl eine Abwaegung. Fuer entfernte Raeume ist 2,4 GHz oft die einzige Option, auch wenn die Rate niedrig ist. Fuer Raeume in der Naehe des Routers ist 5 GHz die bessere Wahl. Moderne Router ueberlassen die Wahl dem Geraet, was nicht immer zur besten Verbindung fuehrt.

Ein haeufiger Fehler ist die feste Zuweisung aller Geraete auf 5 GHz, weil dort die hoehere Rate steht. Geraete am Rand der Reichweite brechen dann haeufig ab, statt auf 2,4 GHz zurueckzufallen. Wer die Baender trennt, sollte beiden eine eigene Kennung geben und die Geraete bewusst zuordnen.

Neuere Router mit WLAN 7 arbeiten mit mehreren Verbindungen gleichzeitig. Das Verfahren verteilt ein Geraet auf zwei Baender und addiert die Raten. In der Praxis bringt es vor allem Stabilitaet bei Geraeten, die beide Baender beherrschen. Aeltere Geraete profitieren nicht, und die Reichweite aendert sich durch das Verfahren nicht.

Der Router-Standort entscheidet mehr als die Antenne

Bevor Geld in Zusatzhardware fliesst, lohnt ein Standorttest. Der Router gehoert nicht in den Verteilerkasten, nicht hinter das Fernsehregal und nicht auf den Boden. Er gehoert in die Naehe der Wohnungsmitte, auf eine Hoehe von etwa einem bis anderthalb Metern, mit freier Sicht in die wichtigsten Raeume.

Ein Standortwechsel bringt in vielen Wohnungen 5 bis 15 dB, also mehr als ein zusaetzlicher Repeater. Der Grund ist einfach: Jedes Hindernis auf dem direkten Weg kostet Leistung, und ein anderes Hindernis ist oft guenstiger als ein Verstaerker. Wer die Moeglichkeit hat, sollte den Router zuerst umstellen und danach messen.

Repeater, Mesh, Powerline, Kabel

Wenn der Standort optimiert ist und die Abdeckung immer noch nicht reicht, helfen Zusatzgeraete. Sie unterscheiden sich grundlegend in der Art, wie sie das Signal weiterleiten. Ein Repeater verstaerkt das Funksignal, ein Mesh-System verteilt es ueber mehrere Knoten, Powerline nutzt die Stromleitung, und ein Kabel ist die einzige Loesung ohne Funkverlust.

LoesungWirkungKosten (ca.)Grenze
Repeater, Funk10 bis 20 dB Gewinn25 bis 70 €halbiert die Rate pro Sprung
Mesh mit zwei Knotenstabilere Abdeckung120 bis 300 €Rueckkanal belegt Funkkapazitaet
Mesh mit Kabelrueckkanalvolle Rate am Knoten150 bis 350 €Kabel muss verlegt werden
Powerline (DLAN)Umgehung der Waende60 bis 150 €Stoerungen durch Elektrogeraete
Access Point mit LAN-Kabelbeste Loesung80 bis 250 €Verlegung notwendig
Neuer Router mit WLAN 7bessere Grundlage180 bis 350 €loest kein Reichweitenproblem
Ein Repeater auf halber Strecke ist besser als ein Repeater am Rand. Steht er zu weit weg, verstaerkt er ein bereits schwaches Signal und die Rate sinkt auf ein Viertel. Als Faustregel gilt: Der Repeater sollte noch mindestens zwei von fuenf Balken Empfang haben, sonst ist der Gewinn gering.

Powerline ist die Loesung mit den meisten Ueberraschungen. In manchen Wohnungen liefert sie 300 Mbit, in anderen bricht sie bei jeder Dunstabzugshaube ein. Der Grund ist die elektrische Topologie: Ein anderes Stromnetz, ein anderer Stromkreis oder ein Filter im Sicherungskasten kann die Verbindung unbrauchbar machen. Wer sie testet, sollte die Geraete umtauschen koennen.

Am zuverlaessigsten bleibt das Kabel. Ein Netzwerkkabel durch den Flur ist optisch kein Gewinn, funktioniert aber dauerhaft und kostet wenig. Wer nicht bohren will, kann flache Kabel unter dem Teppich oder hinter der Fussleiste verlegen. Fuer Mieter ist das oft die einzige Variante, die ohne Zustimmung des Eigentuemers moeglich ist.

Kanalwahl und Nachbarnetze

In Mehrfamilienhaeusern ist nicht die eigene Wand das Problem, sondern die Nachbarwohnung. Auf 2,4 GHz gibt es nur drei ueberlappungsfreie Kanaele, und in einem Haus mit zwanzig Wohnungen sind sie fast immer belegt. Ein Wechsel auf Kanal 1, 6 oder 11 hilft nur, wenn dort weniger Geraete senden.

Warum 160 MHz selten sinnvoll ist

Breite Kanaele erhoehen die Rate, belegen aber mehr Frequenzraum. Ein 160-MHz-Kanal im 5-GHz-Band ueberschneidet sich mit Wetterradar und mit Nachbarnetzen. Viele Router wechseln dann automatisch auf einen schmaleren Kanal - mit der Folge, dass die Verbindung kurz aussetzt. Fuer stabile Verbindungen sind 80 MHz meist die bessere Wahl.

Ein Kanalwechsel wirkt oft nur fuer wenige Wochen, weil sich die Nachbarnetze ebenfalls anpassen. Wer auf 2,4 GHz dauerhaft stabile Verbindungen braucht, sollte langfristig auf 5 GHz oder 6 GHz ausweichen. Dort gibt es mehr Kanaele und weniger Konkurrenz durch Geraete wie Kopfhoerer oder Babyfone.

Stoerquellen im eigenen Haushalt werden unterschaetzt. Eine Mikrowelle im Betrieb belegt einen Teil des 2,4-GHz-Bands, ein Babyfon sendet dauerhaft, ein schnurloses Telefon nach DECT-Standard ebenfalls. Diese Geraete stehen selten dort, wo gemessen wird, und der Effekt tritt nur zeitweise auf. Wer die Ursache sucht, sollte pruefen, ob die Einbrueche mit dem Betrieb eines solchen Geraets zusammenfallen.

Richtig messen statt raten

Der Eindruck schwankt mit der Tageszeit, der Zahl der Geraete und der Position des Laptops. Eine Messung ist nur belastbar, wenn sie wiederholbar ist. Hilfreich sind drei Werte pro Raum: Empfangspegel in dBm, gemessene Rate und Latenz im Leerlauf. Alle drei zusammen zeigen, ob das Problem an der Abdeckung oder an der Leitung liegt.

  1. Grundriss skizzieren und die Raeume markieren, in denen es hakt.
  2. In jedem Raum an drei Positionen messen, immer mit demselben Geraet.
  3. Empfangspegel notieren: gut ist besser als minus 60 dBm, kritisch unter minus 75 dBm.
  4. Rate per Kabel am Router messen, um die Referenz zu haben.
  5. Messung zu drei Tageszeiten wiederholen, um Nachbarnetze zu erkennen.

Ein Empfangspegel von minus 50 dBm ist sehr gut, minus 60 dBm ist gut, minus 70 dBm ist brauchbar, unter minus 75 dBm wird es unzuverlaessig. Diese Werte gelten fuer 5 GHz; bei 2,4 GHz liegt die Grenze etwas niedriger. Wer die Zahlen notiert, kann den Erfolg einer Massnahme belegen, statt sich auf ein Gefuehl zu verlassen.

Fuer die Dokumentation genuegt eine Tabelle mit Raum, Position, Pegel, Rate und Uhrzeit. Ein Foto des Grundrisses mit markierten Messpunkten hilft, wenn spaeter jemand anderes die Werte nachvollziehen soll. Wer die Messung nach einer Massnahme wiederholt, sollte dieselben Punkte verwenden - sonst vergleicht er zwei verschiedene Wohnungen.

Wann der Anschluss schuld ist

Nicht jede Stoerung ist ein WLAN-Problem. Wenn die Rate per Kabel ebenfalls einbricht, liegt die Ursache beim Anbieter oder auf der Leitung. Wenn die Rate per Kabel stabil ist und nur im WLAN schwankt, liegt die Ursache im Heimnetz. Diese Unterscheidung spart Zeit und verhindert einen unnoetigen Tarifwechsel.

Ein zweiter Hinweis ist die Gleichmaessigkeit. Ein WLAN, das abends einbricht und tagsueber stabil ist, leidet unter Nachbarnetzen. Ein Anschluss, der abends einbricht und per Kabel ebenfalls schwach ist, leidet unter Segmentauslastung. Beide Faelle fuehlen sich gleich an, haben aber unterschiedliche Loesungen.

Wer reklamiert, sollte eine Messreihe ueber mindestens drei Tage vorlegen, mit Zeitstempel, Geraet und Messmethode. Einzelne Screenshots reichen selten aus. Die Anbieter akzeptieren meist nur Messungen mit einem anerkannten Werkzeug oder mit ihrem eigenen Messprotokoll.

Bleibt am Ende eine Wohnung, in der trotz Standortwechsel, Kanalanpassung und Zusatzgeraet einzelne Raeume schwach bleiben, ist die Verkabelung die letzte Instanz. Ein Access Point mit LAN-Kabel kostet 80 bis 250 Euro und liefert dauerhaft die volle Rate. Fuer Homeoffice und Streaming ist das meist die guenstigste dauerhafte Loesung.

Haeufige Fragen

Bringt ein neuer Router mehr WLAN-Reichweite?

Manchmal, aber selten so viel wie erwartet. Ein neuer Router mit WLAN 7 verbessert die Rate in der Naehe und die Stabilitaet bei vielen Geraeten. Die Reichweite haengt vor allem an der Sendeleistung und an den Waenden. Bei einem echten Abdeckungsproblem ist ein zusaetzlicher Access Point wirksamer als ein neuer Router.

Wie viele Repeater brauche ich?

Meist einen, selten zwei. Jeder Repeater halbiert die Rate auf der Strecke, die er ueberbrueckt. Zwei hintereinander reduzieren die Rate auf ein Viertel. Besser ist ein Mesh-System mit Kabelrueckkanal oder ein einzelner Access Point an der richtigen Stelle. Mehr als zwei Funkverstaerker bringen in einer Wohnung selten Gewinn.

Ist 2,4 GHz oder 5 GHz besser?

Fuer die Naehe 5 GHz, fuer die Ferne 2,4 GHz. 5 GHz liefert hoehere Raten und ist weniger stoeranfaellig, kommt aber schlechter durch Waende. In Raeumen mit zwei Waenden dazwischen ist 2,4 GHz oft die einzige nutzbare Verbindung, auch wenn die Rate niedriger ist.

Warum ist das WLAN abends langsamer?

Weil dann mehr Geraete aktiv sind - im eigenen Haushalt und in der Nachbarschaft. Auf 2,4 GHz teilen sich alle Geraete wenige Kanaele, auf 5 GHz gibt es mehr Reserven. Wenn die Rate auch per Kabel einbricht, liegt es an der Segmentauslastung des Anschlusses, nicht am WLAN.

Hilft Powerline bei dicken Waenden?

Oft ja, aber mit Unsicherheit. Powerline nutzt die Stromleitung und umgeht die Waende. Die Rate haengt an der elektrischen Topologie: Ein anderer Stromkreis, ein Filter oder ein alter Sicherungskasten kann sie stark reduzieren. Testen und umtauschen ist bei dieser Loesung Pflicht.

Wie messe ich die WLAN-Abdeckung richtig?

Mit einer App, die den Empfangspegel in dBm und die Rate anzeigt, an drei Positionen pro Raum und zu drei Tageszeiten. Parallel eine Kabelmessung als Referenz. Erst wenn der Pegel unter minus 75 dBm liegt und die Rate deutlich unter der Kabelreferenz bleibt, ist die Abdeckung die Ursache.

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