WLAN-Abdeckung: Ursachen und Loesungen
Warum das WLAN in manchen Raeumen abbricht: Daempfung durch Waende, Frequenzbaender, Router-Standort, Repeater und ein Messplan.

Ein WLAN, das im Wohnzimmer schnell und im Schlafzimmer unbrauchbar ist, hat selten eine einzige Ursache. Meist wirken Daempfung, Frequenzband, Kanalbelegung und Geraeteposition zusammen. Dieser Text ordnet die Faktoren nach ihrer Wirkung und beschreibt, welche Massnahme wie viel bringt. Die Werte sind Erfahrungsbereiche aus Messungen in Wohnungen, keine Garantien fuer den Einzelfall.
Warum das WLAN im Schlafzimmer abbricht
Funkwellen verlieren Energie, wenn sie Material durchdringen. Eine Trockenbauwand kostet 2 bis 3 dB, eine Ziegelwand 6 bis 10 dB, eine Stahlbetondecke 20 bis 30 dB. Da 3 dB einer Halbierung der Leistung entsprechen, sind zwei Ziegelwaende bereits eine Daempfung um den Faktor vier. Das erklaert den Unterschied zwischen Flur und Schlafzimmer.
Hinzu kommt die Richtcharakteristik der Antennen. Ein Router im Flur strahlt selten gleichmaessig in alle Richtungen. Die Antennen sind meist horizontal ausgerichtet, sodass Raeume ueber und unter dem Geraet benachteiligt sind. Ein Standort in der Wohnungsmitte auf halber Hoehe ist deshalb fast immer besser als eine Nische neben der Kabeldose.
| Material | Daempfung (ca.) | Wirkung |
|---|---|---|
| Trockenbauwand | 2 bis 3 dB | kaum messbar |
| Ziegelwand, 24 cm | 6 bis 10 dB | deutlich, aber nutzbar |
| Kalksandstein, 17 cm | 8 bis 12 dB | spuerbar bei zwei Waenden |
| Stahlbetonwand | 20 bis 30 dB | ein Raum dahinter wird schwach |
| Metallregal oder Schrank | 20 bis 40 dB | blockiert fast vollstaendig |
| Isolierglas mit Metallbeschichtung | 15 bis 25 dB | Fenster wirken wie Waende |
| Wasser, Aquarium | 10 bis 20 dB | haeufig unterschaetzt |
2,4 GHz, 5 GHz, 6 GHz: die drei Baender
WLAN funktioniert in mehreren Frequenzbaendern, die sich unterschiedlich verhalten. 2,4 GHz reicht weit, ist aber langsam und stark belegt. 5 GHz ist schneller, kommt aber schlechter durch Waende. 6 GHz ist seit WLAN 6E verfuegbar, bietet viel freie Kapazitaet, hat aber die geringste Reichweite.
| Band | Kanaele | Reichweite | Stoeranfaelligkeit |
|---|---|---|---|
| 2,4 GHz | 13, davon 3 ueberlappungsfrei | hoch | sehr hoch |
| 5 GHz | 19 bis 25 je Region | mittel | mittel |
| 6 GHz | bis 59 (WLAN 6E/7) | niedrig | niedrig |
| Kanalbreite 2,4 GHz | 20 MHz | - | schmal, aber noetig |
| Kanalbreite 5 GHz | 80 bis 160 MHz | sinkt mit Breite | steigt mit Breite |
In der Praxis ist die Bandwahl eine Abwaegung. Fuer entfernte Raeume ist 2,4 GHz oft die einzige Option, auch wenn die Rate niedrig ist. Fuer Raeume in der Naehe des Routers ist 5 GHz die bessere Wahl. Moderne Router ueberlassen die Wahl dem Geraet, was nicht immer zur besten Verbindung fuehrt.
Ein haeufiger Fehler ist die feste Zuweisung aller Geraete auf 5 GHz, weil dort die hoehere Rate steht. Geraete am Rand der Reichweite brechen dann haeufig ab, statt auf 2,4 GHz zurueckzufallen. Wer die Baender trennt, sollte beiden eine eigene Kennung geben und die Geraete bewusst zuordnen.
Neuere Router mit WLAN 7 arbeiten mit mehreren Verbindungen gleichzeitig. Das Verfahren verteilt ein Geraet auf zwei Baender und addiert die Raten. In der Praxis bringt es vor allem Stabilitaet bei Geraeten, die beide Baender beherrschen. Aeltere Geraete profitieren nicht, und die Reichweite aendert sich durch das Verfahren nicht.
Der Router-Standort entscheidet mehr als die Antenne
Bevor Geld in Zusatzhardware fliesst, lohnt ein Standorttest. Der Router gehoert nicht in den Verteilerkasten, nicht hinter das Fernsehregal und nicht auf den Boden. Er gehoert in die Naehe der Wohnungsmitte, auf eine Hoehe von etwa einem bis anderthalb Metern, mit freier Sicht in die wichtigsten Raeume.
- Nicht in eine Nische oder einen Schrank stellen, Metall daempft stark.
- Mindestens einen halben Meter Abstand zu Waenden und Decken einhalten.
- Nicht neben Mikrowelle, Babyfon oder Schnurlostelefon platzieren.
- Antennen wenn moeglich senkrecht ausrichten, nicht flach an die Wand legen.
- Bei zwei Antennen eine senkrecht und eine waagerecht ausrichten.
Ein Standortwechsel bringt in vielen Wohnungen 5 bis 15 dB, also mehr als ein zusaetzlicher Repeater. Der Grund ist einfach: Jedes Hindernis auf dem direkten Weg kostet Leistung, und ein anderes Hindernis ist oft guenstiger als ein Verstaerker. Wer die Moeglichkeit hat, sollte den Router zuerst umstellen und danach messen.
Repeater, Mesh, Powerline, Kabel
Wenn der Standort optimiert ist und die Abdeckung immer noch nicht reicht, helfen Zusatzgeraete. Sie unterscheiden sich grundlegend in der Art, wie sie das Signal weiterleiten. Ein Repeater verstaerkt das Funksignal, ein Mesh-System verteilt es ueber mehrere Knoten, Powerline nutzt die Stromleitung, und ein Kabel ist die einzige Loesung ohne Funkverlust.
| Loesung | Wirkung | Kosten (ca.) | Grenze |
|---|---|---|---|
| Repeater, Funk | 10 bis 20 dB Gewinn | 25 bis 70 € | halbiert die Rate pro Sprung |
| Mesh mit zwei Knoten | stabilere Abdeckung | 120 bis 300 € | Rueckkanal belegt Funkkapazitaet |
| Mesh mit Kabelrueckkanal | volle Rate am Knoten | 150 bis 350 € | Kabel muss verlegt werden |
| Powerline (DLAN) | Umgehung der Waende | 60 bis 150 € | Stoerungen durch Elektrogeraete |
| Access Point mit LAN-Kabel | beste Loesung | 80 bis 250 € | Verlegung notwendig |
| Neuer Router mit WLAN 7 | bessere Grundlage | 180 bis 350 € | loest kein Reichweitenproblem |
Powerline ist die Loesung mit den meisten Ueberraschungen. In manchen Wohnungen liefert sie 300 Mbit, in anderen bricht sie bei jeder Dunstabzugshaube ein. Der Grund ist die elektrische Topologie: Ein anderes Stromnetz, ein anderer Stromkreis oder ein Filter im Sicherungskasten kann die Verbindung unbrauchbar machen. Wer sie testet, sollte die Geraete umtauschen koennen.
Am zuverlaessigsten bleibt das Kabel. Ein Netzwerkkabel durch den Flur ist optisch kein Gewinn, funktioniert aber dauerhaft und kostet wenig. Wer nicht bohren will, kann flache Kabel unter dem Teppich oder hinter der Fussleiste verlegen. Fuer Mieter ist das oft die einzige Variante, die ohne Zustimmung des Eigentuemers moeglich ist.
Kanalwahl und Nachbarnetze
In Mehrfamilienhaeusern ist nicht die eigene Wand das Problem, sondern die Nachbarwohnung. Auf 2,4 GHz gibt es nur drei ueberlappungsfreie Kanaele, und in einem Haus mit zwanzig Wohnungen sind sie fast immer belegt. Ein Wechsel auf Kanal 1, 6 oder 11 hilft nur, wenn dort weniger Geraete senden.
Warum 160 MHz selten sinnvoll ist
Breite Kanaele erhoehen die Rate, belegen aber mehr Frequenzraum. Ein 160-MHz-Kanal im 5-GHz-Band ueberschneidet sich mit Wetterradar und mit Nachbarnetzen. Viele Router wechseln dann automatisch auf einen schmaleren Kanal - mit der Folge, dass die Verbindung kurz aussetzt. Fuer stabile Verbindungen sind 80 MHz meist die bessere Wahl.
- 2,4 GHz: Kanal 1, 6 oder 11 waehlen, nie dazwischen.
- 5 GHz: automatische Kanalwahl erlauben, wenn keine Stoerung vorliegt.
- Kanalbreite auf 80 MHz begrenzen, wenn Abbrueche auftreten.
- Nachbarnetze mit einer Analyse-App zaehlen, bevor ein Kanal festgelegt wird.
Stoerquellen im eigenen Haushalt werden unterschaetzt. Eine Mikrowelle im Betrieb belegt einen Teil des 2,4-GHz-Bands, ein Babyfon sendet dauerhaft, ein schnurloses Telefon nach DECT-Standard ebenfalls. Diese Geraete stehen selten dort, wo gemessen wird, und der Effekt tritt nur zeitweise auf. Wer die Ursache sucht, sollte pruefen, ob die Einbrueche mit dem Betrieb eines solchen Geraets zusammenfallen.
Richtig messen statt raten
Der Eindruck schwankt mit der Tageszeit, der Zahl der Geraete und der Position des Laptops. Eine Messung ist nur belastbar, wenn sie wiederholbar ist. Hilfreich sind drei Werte pro Raum: Empfangspegel in dBm, gemessene Rate und Latenz im Leerlauf. Alle drei zusammen zeigen, ob das Problem an der Abdeckung oder an der Leitung liegt.
- Grundriss skizzieren und die Raeume markieren, in denen es hakt.
- In jedem Raum an drei Positionen messen, immer mit demselben Geraet.
- Empfangspegel notieren: gut ist besser als minus 60 dBm, kritisch unter minus 75 dBm.
- Rate per Kabel am Router messen, um die Referenz zu haben.
- Messung zu drei Tageszeiten wiederholen, um Nachbarnetze zu erkennen.
Ein Empfangspegel von minus 50 dBm ist sehr gut, minus 60 dBm ist gut, minus 70 dBm ist brauchbar, unter minus 75 dBm wird es unzuverlaessig. Diese Werte gelten fuer 5 GHz; bei 2,4 GHz liegt die Grenze etwas niedriger. Wer die Zahlen notiert, kann den Erfolg einer Massnahme belegen, statt sich auf ein Gefuehl zu verlassen.
Fuer die Dokumentation genuegt eine Tabelle mit Raum, Position, Pegel, Rate und Uhrzeit. Ein Foto des Grundrisses mit markierten Messpunkten hilft, wenn spaeter jemand anderes die Werte nachvollziehen soll. Wer die Messung nach einer Massnahme wiederholt, sollte dieselben Punkte verwenden - sonst vergleicht er zwei verschiedene Wohnungen.
Wann der Anschluss schuld ist
Nicht jede Stoerung ist ein WLAN-Problem. Wenn die Rate per Kabel ebenfalls einbricht, liegt die Ursache beim Anbieter oder auf der Leitung. Wenn die Rate per Kabel stabil ist und nur im WLAN schwankt, liegt die Ursache im Heimnetz. Diese Unterscheidung spart Zeit und verhindert einen unnoetigen Tarifwechsel.
Ein zweiter Hinweis ist die Gleichmaessigkeit. Ein WLAN, das abends einbricht und tagsueber stabil ist, leidet unter Nachbarnetzen. Ein Anschluss, der abends einbricht und per Kabel ebenfalls schwach ist, leidet unter Segmentauslastung. Beide Faelle fuehlen sich gleich an, haben aber unterschiedliche Loesungen.
Bleibt am Ende eine Wohnung, in der trotz Standortwechsel, Kanalanpassung und Zusatzgeraet einzelne Raeume schwach bleiben, ist die Verkabelung die letzte Instanz. Ein Access Point mit LAN-Kabel kostet 80 bis 250 Euro und liefert dauerhaft die volle Rate. Fuer Homeoffice und Streaming ist das meist die guenstigste dauerhafte Loesung.
Haeufige Fragen
Bringt ein neuer Router mehr WLAN-Reichweite?
Manchmal, aber selten so viel wie erwartet. Ein neuer Router mit WLAN 7 verbessert die Rate in der Naehe und die Stabilitaet bei vielen Geraeten. Die Reichweite haengt vor allem an der Sendeleistung und an den Waenden. Bei einem echten Abdeckungsproblem ist ein zusaetzlicher Access Point wirksamer als ein neuer Router.
Wie viele Repeater brauche ich?
Meist einen, selten zwei. Jeder Repeater halbiert die Rate auf der Strecke, die er ueberbrueckt. Zwei hintereinander reduzieren die Rate auf ein Viertel. Besser ist ein Mesh-System mit Kabelrueckkanal oder ein einzelner Access Point an der richtigen Stelle. Mehr als zwei Funkverstaerker bringen in einer Wohnung selten Gewinn.
Ist 2,4 GHz oder 5 GHz besser?
Fuer die Naehe 5 GHz, fuer die Ferne 2,4 GHz. 5 GHz liefert hoehere Raten und ist weniger stoeranfaellig, kommt aber schlechter durch Waende. In Raeumen mit zwei Waenden dazwischen ist 2,4 GHz oft die einzige nutzbare Verbindung, auch wenn die Rate niedriger ist.
Warum ist das WLAN abends langsamer?
Weil dann mehr Geraete aktiv sind - im eigenen Haushalt und in der Nachbarschaft. Auf 2,4 GHz teilen sich alle Geraete wenige Kanaele, auf 5 GHz gibt es mehr Reserven. Wenn die Rate auch per Kabel einbricht, liegt es an der Segmentauslastung des Anschlusses, nicht am WLAN.
Hilft Powerline bei dicken Waenden?
Oft ja, aber mit Unsicherheit. Powerline nutzt die Stromleitung und umgeht die Waende. Die Rate haengt an der elektrischen Topologie: Ein anderer Stromkreis, ein Filter oder ein alter Sicherungskasten kann sie stark reduzieren. Testen und umtauschen ist bei dieser Loesung Pflicht.
Wie messe ich die WLAN-Abdeckung richtig?
Mit einer App, die den Empfangspegel in dBm und die Rate anzeigt, an drei Positionen pro Raum und zu drei Tageszeiten. Parallel eine Kabelmessung als Referenz. Erst wenn der Pegel unter minus 75 dBm liegt und die Rate deutlich unter der Kabelreferenz bleibt, ist die Abdeckung die Ursache.